Am Fuße der Weinberge von Schloss Rheinburg steht eine historische Weintrotte aus dem 17. Jahrhundert.

Dies ist die ehemalige " Klostertrotte  in der Steig "

Das Kelterhaus, in dem in früherer Zeit die Trauben gepreßt und zu Wein vergoren wurden, war nur eines von 200 Gebäuden dieser Art im Landkreis Konstanz. Leider sind sie fast alle inzwischen abgebrochen. Es ist ein Glücksfall, daß von den bis zu 20,  teils historisch belegten, teils vermuteten Gailinger Trotten noch 4 erhalten sind als bauliche Zeugnisse spätmittelalterlicher Rebkultur.

Ein Kupferstich der Stadt Diessenhofen von 1654 aus Math. Merians Topographia Helvetiae zeigt die sich bis zum Flußufer erstreckenden Rebflächen an den Südhängen des Hochrheins und die dazugehörigen Trotten direkt an der Straße.

Noch deutlicher sichtbar wird der räumliche Zusammenhang auf einem älteren Stich J.J. Menzingers  von 1640, auf dem an der Steigstraße eine Weintrotte, auf gleicher  Höhe mit dem Diessenhofener "Siechenhaus" erkennbar ist, umgeben von Weinstöcken. Vermutlich handelte es sich dabei um eine der inzwischen abgebrochenen " Bürgertrotten" im Gegensatz zur nur wenige Schritte  westlich davon gelegenen "Klostertrotte" der Rheinburg.

 

Interessanterweise gehörte damals das ganze rechte Rheinufer mit den Rebhängen und den darauf stehenden Trotten zum schweizerischen Thurgau.

Erst oberhalb des Hanges begann das Gailinger Areal und damit der Hegau.

Politisch unterstand sowohl der Thurgau wie der Hegau der österreichischen Krone in Wien. Die habsburgische Herrschaft endete für den Thurgau 1460 mit der Eroberung durch die Eidgenossen. Jedoch legte erst ein Staatsvertrag von 1854 die Landesgrenze zwischen der Schweiz und dem Grossherzogtum Baden definitiv in der Rheinmitte fest.

Was die Trotten betrifft, so waren diese, ebenso wie die dazugehörigen Weinberge, , fest in Diessenhofener Hand. Das Dominikanerinnenkloster Katharinenthal besaß allein drei  davon an der Gailinger Uferhalde, die sich damals "Diessenhofener Setze " nannte. Die  anderen Feldtrotten gehörten Diessenhofener Bürgern. Aber auch Gailinger Bürger und die Ortsherrschaft waren Besitzer von Weinbergen und Trotten nördlich des Dorfes, an den Hängen des Rauhenbergs

Die "Rheinburg- Trotte ", vormals also "Trotte in der Steig ",genannt, geht auf das frühe 17. Jahrhundert zurück. Dendrochronologische Gutachten datieren die Balken der östlichen Giebelwand auf das Ende des 16. bzw. Beginn des 17. Jahrhunderts. Die Eichen, die für das Bauholz der westlichen Giebelwand gefällt wurden, sind von ca. 1678. Auch der kleine Anbau wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts errichtet.

Die Trotte wurde in der wirtschaftlichen Blütezeit vor dem 30jährigen Krieg erbaut. Vielleicht hat sie einen Vorgängerbau ersetzt. Der hangparallele Fachwerkbau mit Halbwalmdach zeigt in seinen Gefachen geometrisch angeordnete Lüftungsöffnungen in unterschiedlichen, meist dreieckigen Ausformungen. Die Inneneinteilung des offenen  Baus folgt dem Prinzip der meisten Trotten : Die Halle wird durch einen Unterzug, der von schön ausgeformten Stützen getragen wird, in zwei Schiffe unterteilt, in ein  breites und ein schmales Schiff, wobei  die Baumkelter vermutlich in dem breiteren angeordnet war. Ob es einen weiteren Kelterbaum gab, ist nicht bekannt, aber bei einer Grundfläche von ca. 200 qm anzunehmen. Eine Besonderheit war eine zweistöckige, unterkellerte "Rebmeisterwohnung in der Südostecke der Trotte, neben der sich als Zugang zur Trotte ein Fußgängertor befand. Die ehemalige Wohnung ist nicht mehr vorhanden, der vorgefundene Bestand war für eine Restaurierung zu unergiebig. Während die Rebmeisterwohnung einen groben Holzboden vorwies, bestand der Boden in der Trotte  aus gestampftem Lehm.

Farbfunde vor der Restaurierung zeigten, daß die Trotte ursprünglich ein in rotbrauner Farbe ( Ochsenblut) mit dem Pinsel optisch verbreitertes Fachwerk und weiß gekalkte Gefache besaß.

Trotte, Torkel, Kelter : Drei Synonyme

Diese drei Worte bedeuten dasselbe : sowohl das Schutzgebäude als auch die technische Einrichtung der Baumpressen in den Häusern. Sprachlich leiten sich die Begriffe vom Lateinischen ab : Im Wort "Trotte" steckt das " Treten " der Trauben mit den Füßen,  " Calcare " bedeutet ebenfalls " mit den Füßen treten" . Hieraus wurde das deutsche Wort "Kelter".

" torcular oder torquere " führt  in der Bedeutung von " drehen, winden ", zu " Torkel" "

Von den ehemals ca. 500 Baumpressen gleichen Namens im ganzen Bodenseeraum sind heute nur noch 15 erhalten, leider nicht in Gailingen. 3 sind jedoch im näheren Umkreis zu finden, nämlich in Hemmenhofen am See, in Bodman und in Steißlingen.

Die Kelterbäume waren riesige, mammuthafte  Objekte aus 8 bis 14 m langen Eichenstämmen, bei einer Breite bis zu 4,5 m und in der Höhe bis zu 5,5 Meter. Das Gesamtgewicht der Anlage bewegte sich zwischen 10 und 20 Tonnen je nach Größe, Druckbaumanzahl und Unterbau. Danach richtete sich auch die Aufschüttmenge der Traubenmaische von 2500 bis 5000 kg Trauben. Dies entspricht in etwa dem gängigen Fassungsvermögen der Pressen eines mittelgroßen modernen  Weinguts. Drei- bis viermal lockerte der Trotten- oder Torkelmeister mit mehreren Knechten die vorab gestampften Trauben wieder auf, bevor er durch das Drehen der Spindel erneut die gewaltigen Hebelkräfte des Druckbaums auf die Maische einwirken ließ. Ein Pressvorgang dauerte insgesamt sechs bis acht Stunden und erbrachte eine gute Weinqualität.

Die Vorbesitzer

Jahrhundertelang waren die Nonnen des auf der linken, thurgauischen Seite liegenden  Dominikanerinnenklosters Katharinenthal Besitzerinnen dreier Gailinger Weinbergslagen mit jeweils einer Trotte an der Rheinhalde : An der Steig, in der Ritterhalde, in der Gießhalde. Zwei dieser Trotten ( Steig und Ritterhalde) ließen die Klosterfrauen zu Beginn des 17. Jahrhunderts neu erbauen. Im Gefolge der napoleonischen Kriegen wurden die klösterlichen Besitzungen von Österreich inkameriert, wenig später wurde der gesamte vorderösterreichische Besitz württembergisch,dann badisch. Die Diessenhofener Rheinhalde wurde der Gemarkung Gailingen zugeschlagen.

Die badische Landesregierung verkaufte den neu annektierten Besitz. So erwarb die Schaffhauser  Familie Rausch 1843 große Teile des Grundbesitzes vom 1810 ausgestorbenen Ortsadel oder dem Kloster Katharinenthal. Darunter waren auch die Weinberge mit insgesamt 4 Trotten. Eine weitere, fünfte Trotte wurde im Ökonomiegebäude der Rheinburg eingerichtet, war aber 1976, als wir das Anwesen erwarben, nicht mehr vorhanden.

1882 veräußerte Franz Arthur Rausch die Rheinburg und seinen gesamten Gailinger Grundbesitz an eine 5- köpfige jüdische Käufergruppe aus Gailingen.

Der desolate Zustand, in dem sich uns die Trotte  1976, beim Kauf des Anwesens  Rheinburg präsentierte, läßt vermuten, daß im Laufe der inzwischen vergangenen Jahrzehnte niemand am Erhalt, geschweige denn an der Unterhaltung des Gebäudes interessiert war. Zuletzt hatte es einer Schafherde, welche die längst brachliegenden ehemaligen Weinberge des Klosters Katharinenthal abgrasten, als Stall gedient. Wertloses Gerümpel,  Schafsmist und Müll fanden wir vor, dem wir wie einst Augias  mit Schaufel und Besen zu Leibe rückten.

20 Jahre sollten ins Land gehen, bevor wir Mitte der 90er Jahre den Entschluß faßten, die Trotte zu restaurieren und definitiv zu erhalten. Eigentlich hatten wir keine Nutzung für das Gebäude, es gab weder Strom - noch Wasseranschluß, und natürlich auch keine Abwasserleitung, geschweige denn irgendwelche sanitären Einrichtungen. So konnten wir das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und die Denkmalstiftung dafür gewinnen, die " unrentierlichen " Sanierungsmaßnahmen mit erheblichen Zuschüssen zu unterstützen.

Das Amt stand uns auch beratend zur Seite und vermittelte die Fachleute, derer es bedurfte, um eine  angemessene Restaurierung planen und durchführen zu können.

Endlich, nach 2jähriger Bauzeit, im Sommer 1998, konnten wir die wiedererstandene Trotte mit einem Weinfest einweihen. Ein Kulturdenkmal war gerettet.